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Fünf Jahre MGH am 31.03.2012 - Impressionen 

       

       

         


Es lebt! Fünf Jahre MGH Bernsdorf
Ein persönlicher Rückblick zum Jahrestag der Eröffnung am 9. Februar 2007

Es lebt – das ist es, was ich oft denke, wenn ich jetzt, im Jahr 2012, ins Mehrgenerationenhaus Bernsdorf komme. Auf dem Parkplatz bekannte Autos, im Flur ein freiwilliger Handwerker, der streicht, bohrt oder wischt, in jedem Raum Licht und Aktivität, sei es Kaffeekochen, Malen, Billard spielen oder eine Beratung. Eine Frau im besten Alter bestellt in der Kaffee-Ecke Tee für sich und die Freundinnen und bekommt den Tratsch gratis dazu, ein Jugendlicher hockt am PC und sucht mit der Jugendtreffleiterin gemeinsam nach Vorlagen für ein Graffiti. Wenn nicht gerade Winter ist, quietscht und lacht es auf dem Spielplatz, weil die eigentlich noch zu Kleinen doch auf den Kletterberg gekrabbelt sind und jetzt, oben angekommen, nicht sicher sind, ob sie stolz oder ängstlich sein sollen. In regelmäßigen Abständen klingelt die Schelle des Eiskrans, weil es so spannend ist, wie das Körbchen mit dem Eis am Stiel sich langsam senkt.

Für mich selbst ist die Team-Routine das Schönste. Was ich damit meine? Dass die Kollegin fragt, ob es mir gut geht, wenn ich mich NICHT erkundige, ob es etwas Neues gibt. Dass auf meine Frage, ob der Grüne Salon schon für die Beratung morgen früh vorbereitet ist, immer die Antwort „schon erledigt“ folgt, weil die Mitarbeiter den Ablauf im Haus inzwischen besser kennen als ich. Dass ich jeden zweiten Tag begrüßt werde mit „… ich habe nochmal über die Idee von gestern nachgedacht, und mir ist eine Lösung eingefallen…“. Dass wir gemeinsam über die Höhen und Tiefen lachen können: der Innenminister beim Hausrundgang in der Küche – ohne Bodyguards in einem Raum voll scharfer Messer. Der Landrat, der ein Trampolin gesponsort hatte und es aktiv einweihen „durfte“. Das Scheitern meines Kampfes für ein Seniorencafè und einen Jugendclub im gleichen Raum. Der Kindergeburtstag, bei dem im November ein (frischer) Erdbeerkuchen bestellt war.

Das MGH Bernsdorf hat im Jahr 2006 begonnen. Wir sind nur noch zwei, die diesen Anfang hautnah miterlebt haben. Die Gruppe von Ein-Euro-Jobbern, die vollkommen leere Räume heimelig gestalten sollten. Eine einzelne Aktive, die einmal wöchentlich den Yogakurs durchführte und manchmal das Highlight unserer Woche war. Die Versuche, Diskussionsforen und Vortragsreihen zu etablieren, zu denen niemand kam. Die offiziellen Besuche, zu denen wir Alibikinder und gestellte Beratungsrunden ins Haus einluden, damit es lebte.

Das alles ist nicht mehr nötig. Wir haben gelernt, und die Bernsdorfer auch. Wir haben aufgehört, Dinge anzubieten und erzwingen zu wollen und haben stattdessen zugehört. Die Bernsdorfer haben festgestellt, dass es sich lohnt, hierhin ans Ende der Welt zu kommen – weil die Kurse Qualität haben, weil es ein bisschen wie zu Hause ist, weil immer jemand zum Reden da ist und weil man fast alles machen kann, wenn man sich engagieren will. Und weil es manchmal auch Vorteile hat, nicht mitten in der Stadt zu sein. Unser Außengelände bietet aktuell den einzigen öffentlichen Spielplatz in Bernsdorf. Und wenn ich gerade heute aus dem Fenster sehe, ist der Schmelzteich eine gut genutzte Schlittschuhfläche. Zum Aufwärmen sind wir da.

Im Haus sind 25 Kursangebote fest installiert, ein Team von etwa 25 Menschen – Festangestellte, Ehrenamtliche, Honorarkräfte, Teilzeitkräfte, Selbstständige – ist für 300 Besucher pro Woche da. Vom Kleinkind, das sich über den Riesenteddy und einen Plastikball freuen kann, bis zum über 80jährigen, für den es schon das neueste Betriebssystem seines Laptops sein muss. Von der Alltagsbegleiterin, die Senioren den Tag verschönt, bis zur arbeitsuchenden Migrantin, die im JobCenter Hilfe beim Verfassen einer Bewerbung erhält.

Ich durfte die Entwicklung dieses Hauses über fünf Jahre beobachten und begleiten. Es ist das Ergebnis vieler Ideen und Aktionen. Es wäre nichts geworden ohne den Trägerverbund aus Stadt, RAA Sachsen und Euroschulen, ohne zahlreiche Geldgeber und praktische Unterstützer, ohne all die Mitarbeiter, von denen jeder seinen eigenen Stil mitbrachte, ohne die Besucher, die uns immer wieder gefordert haben.

In unserem Flur hängt eine Tafel mit vielen Handabdrücken. Das Motto darüber lautet: „Wir legen hier Hand an“. Die Handabdrücke stammen von Mitarbeitern, Ministern und Mitmachern. Eigentlich kann es gar nicht sein – aber auf der Tafel ist noch Platz für weitere Hände. Da habe ich doch viel Mut für die nächsten fünf Jahre.

Maren Düsberg, Koordinatorin des MGH Bernsdorf, zum 9.2.2012

 

 

 

                                                               

   

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